Urban Studies an der Universität Basel: „Fanatismus“ oder längst fällige, vorurteilsfreie Aufarbeitung historischer Realitäten?

Seit es in der Schweiz Universitäten gibt, waren diese ein Abbild westlich-kapitalistischer Machtverhältnisse, wo stets die Lehre der freien Marktwirtschaft verbreitet wurde, als gäbe es nichts Vernünftiges ausserhalb davon. Ausbeutungsverhältnisse zwischen profitierenden und ausgebeuteten Ländern waren selten ein Thema und im Geschichtsstudium lernt man sogar bis heute, die Schweiz sei nie aktiv an Kolonialismus und Sklavenhandel beteiligt gewesen. Und dies, obwohl der Historiker Hans Fässler bereits 2005 in seinem Buch „Reise in Schwarz-Weiss“ die engen Verstrickungen der Schweiz mit dem transatlantischen Sklavengeschäft aufgezeigt hat und die Schweiz als Drehscheibe im globalen Rohstoffhandel und als weltweit führender Finanzplatz mehr als die meisten anderen Ländern bis heute von den durch den Kolonialismus geschaffenen Abhängigkeits- und Ausbeutungsstrukturen profitiert, was sich nur schon darin zeigt, dass die Schweiz im Handel mit „Entwicklungsländern“ gemäss der Entwicklungsorganisation Oxfam einen 50 Mal höheren Profit erwirtschaftet, als sie diesen Ländern in Form von „Entwicklungshilfe“ wieder zurückgibt.

Dies alles löste nie einen Aufschrei aus. Erst jetzt, seitdem aus dem Fach Urban Studies an der Universität Basel im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt Begriffe wie „Landkarten als Terrains der Macht“, „systematischer Rassismus“ oder „Apartheid“ zu vernehmen sind, bricht die grosse Empörung aus und die „Sonntagszeitung“ spricht gar von einem „Fanatismus an der Universität Basel“. Die Frage ist bloss, was denn wohl fanatischer ist, ein über so lange Zeit aufrechterhaltendes Vertuschen historischer Realitäten oder der Mut, die Aufarbeitung dieses wichtigen Themas endlich vorurteilsfrei in Angriff zu nehmen.