Einig war man sich darin, dass der Angriff Russlands im Februar 2022 eine Verletzung des Völkerrechts darstellte und unter keinen Umständen gerechtfertigt werden kann. Auch die Annexion der Halbinsel Krim im Jahre 2014 bedeutete einen Bruch mit dem internationalen Völkerrecht, ebenfalls die militärische Einmischung in den Konflikt im Donbass.
Dennoch, so wurde argumentiert, könne man nicht die Augen davor verschliessen, dass dieser Konflikt, wie jeder andere, eine längere Vorgeschichte habe. So sei Putin, wie ein Diskussionsteilnehmer in Erinnerung rief, seit seinem Amtsantritt als Präsident Russlands wiederholt auf den Westen zugegangen und hätte eine gemeinsame europäische Sicherheitsstruktur vorgeschlagen, was aber vom Westen stets zurückgewiesen worden sei. Putin hätte sodann eine Kehrtwende vollzogen und den Westen immer mehr zum Feindbild emporstilisiert.
Kontrovers wurde die NATO-Osterweiterung seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahre 1991 beurteilt. Unbestritten sei, dass führende westliche Politiker, unter anderen der amerikanische Aussenminister Jim Baker und der deutsche Aussenminister Hans-Dietrich Genscher, anfänglich zugesichert hätten, die NATO nicht weiter nach Osten auszudehnen. Dennoch sei die NATO im Laufe der Zeit immer weiter in Richtung Osten erweitert worden und es sei ab 2008 auch der Ukraine ein NATO-Beitritt in Aussicht gestellt worden. Einerseits wurde in der Gesprächsrunde die Meinung vertreten, dass jeder Staat das Recht haben müsse, selber zu entscheiden, zu welchem Militärbündnis er gehören wolle, und die NATO-Erweiterung aus der verständlichen Angst vor einer Bedrohung durch Russland erfolgt sei. Anderseits hätte auch Russland das zunehmende Vorrücken der NATO bis an seine Grenze als Bedrohung empfunden.
Es wurde auch daran erinnert, dass das Minsker Abkommen von 2014, das einen Waffenstillstand zwischen separatistischen und ukrainischen Kräften im Donbass zum Ziel hatte, sowohl von russischer wie auch von ukrainischer Seite immer wieder verletzt worden sei.
Nach so vielen Opfern, welche dieser Krieg nun schon gefordert hätte, sei es, so das Votum eines Diskussionsteilnehmers, nun endlich an der Zeit, nicht mehr länger in die Vergangenheit zu blicken, sondern in die Zukunft. Krieg könne nie eine Lösung von Konflikten zwischen Völkern und Staaten sein, wie sich in diesen Tagen auch beim Nahostkonflikt zeige.
Die Diskussion endete einerseits mit einem Gefühl von Hoffnungslosigkeit in Anbetracht des komplexen und schwierigen Kriegsgeschehens, anderseits aber auch mit der Feststellung, dass es längerfristig keine Alternative zu einer friedlichen Koexistenz aller Völker und Staaten geben könne und an erster Stelle im Kleinen wie im Grossen nicht mehr egoistisches Machtstreben stehen sollte, sondern Kooperation und das Wohlergehen aller.