Kinderarmut in Deutschland

3 Millionen Kinder in Deutschland, das ist jedes fünfte, sind von Armut betroffen. Hilfswerke wie die „Arche“ in Berlin sind oft die letzte Hoffnung dieser Kinder. Hier zum Beispiel erhalten sie die einzige sichere Mahlzeit pro Tag. Die gesellschaftliche Vernachlässigung der Kinder kennt keine Grenzen: Viele Kinder sind motorisch zurückgeblieben, wissen nicht, wie man eine Schere hält, manche dürfen nicht vor 21 Uhr nachhause, weil ihre Mütter sie aussperren, andere erfahren psychische und physische Gewalt, einige werden kriminell, bei vielen laufen zuhause den ganzen Tag Pornofilme. „Zum Glück essen meine Kinder nicht gerne Gemüse und Obst“, sagt ein Vater, „ich könnte es mir gar nicht leisten“. Er hat einen 60-Stunden-Job in einer Sicherheitsfirma, seine Frau arbeitet zu 100 Prozent in der Altenpflege, trotzdem müssen sie auf jeden noch so kleinen Luxus verzichten, denn ihr Einkommen liegt immer noch ein paar Euro über dem, was sie zum Bezug von Kindergeld berechtigen würde. Die Musikinstrumente, welche die „Arche“ den Kindern zur Verfügung stellt, nehmen diese nicht nachhause, weil sie Angst haben, die Eltern würden sie verkaufen. (Rendez-vous, SRF1, 28.9.23)

Bergkarabach: Zweierlei Mass

Wie das „Tagblatt“ am 26. September 2023 berichtet, sind schon Tausende von Menschen durch aserbaidschanische Verbände aus Bergkarabach, das mehrheitlich von Armenierinnen und Armeniern bewohnt wird, vertrieben worden. Seit Monaten warnt Armenien vor „ethnischen Säuberungen“, genau dies ist jetzt bittere Realität. Dafür sprechen Hunderte Tote, darunter auch Kinder, seit Aserbaidschan mit Bodentruppen einmarschierte. Die armenische Armee hat dem hochgerüsteten Aserbaidschan kaum etwas entgegenzusetzen. Doch die EU erwägt trotz ethnischer Säuberungen und Hunderter Toter weiterhin nicht, Sanktionen zu verhängen. Wo bleibt der Aufschrei des Westens, jetzt, wo in Bergkarabach nichts anderes geschieht als das, was im Februar 2022 mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine geschah? Weil jetzt die „Bösen“ die „Guten“ sind oder umgekehrt?

Ausweiskarte für Sehbehinderte im Nahverkehr wird abgeschafft

Die sogenannte Blindenkarte ermöglicht es blinden und sehbehinderten Menschen, in 30 Städten den öffentlichen Nahverkehr zu benützen. Seit 50 Jahren erhielten Betroffene jedes Jahr eine Marke für die Karte, welche ihnen den unkomplizierten Zugang zu Tram und Bus ermöglichte. Der ursprüngliche Gedanke hinter der Karte: Solange Billettautomaten nicht barrierefrei sind, sollen blinde und sehbehinderte Passagiere kostenlos den Nahverkehr benützen können. Damit ist nun Schluss. Wie der Verband des öffentlichen Verkehrs, Alliance Swisspass, bereits Anfang Jahr mitteilte, schafft er die Karte auf nächstes Jahr ab und begründet diesen Schritt damit, dass Betroffene heute andere Kanäle zur Verfügung hätten, kurzentschlossen ein Streckenbillett zu kaufen: „Dank Sprachunterstützung in Webshops und Apps, und dank der Möglichkeit, kostenlos telefonisch Tickets zu kaufen, oder auch dank dem automatischen Ticketing (zum Beispiel mit Easy Ride).“ Der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband SBV hat sich zusammen mit dem Schweizerischen Zentralverein für das Blindenwesen und dem Dachverband der Behindertenorganisationen Inclusion Handicap mit einem Brief an Alliance Swisspass gewandt. Darin kritisieren sie die Abschaffung der Blindenkarte, weil viele Betroffene gar kein Smartphone besässen und der Billettbezug via App unvergleichlich viel aufwendiger und komplizierter sei, als einmal pro Jahr eine Marke in die Ausweiskarte zu kleben. (espresso, Radio SRF1, 26.9.23)

Fünfmal so gross wie die Titanic

In der Werft Meyer Turku in Finnland entsteht derzeit das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt, die „Icon of the Seas“. Es ist 365 Meter lang und 50 Meter breit und damit fünfmal so gross wie die Titanic. Knapp 10’000 Personen haben haben darauf Platz. Das Schiff der Superlative soll 2024 in See stechen – mit 20 Sonnendecks, 16 Pools und einer Eishalle an Bord. Auf dem Oberdeck des Schiffs befindet sich ein riesiger schwimmender Wasserpark. Wie farbige Regenwürmer schlängeln sich die sechs Wasserrutschen über das Schiff. Darunter eine offene Freifallrutsche sowie eine Flossrutsche, auf der vier Personen gleichzeitig fahren können. Auf dem Bug des Kreuzfahrtschiffs hat die Reederei eine riesige Glaskuppel gebaut. Im sogenannten „Aquadome“ finden Akrobatik- und Tanzshows statt – und es gibt einen künstlichen Wasserfall. Verteilt auf den 20 Decks gibt es ein Dutzend Restaurants und Cafés. Und auch einen Minigolfplatz und einen Kletterpark. In einem heruntergekühlten Theater finden Eiskunstlauf-Shows statt. Auch die Flora darf nicht fehlen. Die Reederei betitelt die Grünanlage auf dem Schiff als „Central Park“. Dort sollen etwa 20’000 Pflanzen und etliche echte Bäume wachsen. 1,1 Milliarden Dollar soll der Bau der „Icon of the Seas“ kosten. Und bereits baut die Royal Caribbean in Finnland an ihrem nächsten schwimmenden Koloss, der „Utopia of the Seas“. Offiziell wird sie aber nur das zweitgrösste Schiff der Welt sein. (NZZ, 20. Juli 2023)

Ferienträume

Während immer mehr Touristinnen und Touristen aus den wohlhabenden Ländern Griechenland überschwemmen, können sich immer Griechinnen und Griechen Ferien in ihrem eigenen Land nicht mehr leisten. (Radio SRF1, 19. Juli 2023)

Schweizerische Post kauft 2400 Hektaren Mischwald

Die schweizerische Post kauft 2400 Hektaren Mischwald mit Kiefern, Lärchen, Fichten und Buchen im deutschen Bundesland Thüringen. Über den Kaufpreis und die Konditionen haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Für die CO2-Rechnung der Post mag der Kauf des deutschen Waldes gut sein, für das Klima freilich ändert sich damit nicht viel. Der besagte deutsche Wald entzieht der Atmosphäre nicht grundlegend mehr CO2, nur weil er der Schweizer Post gehört. (Tagblatt, 26. Juli 2023)

Kobalt aus dem Kongo

Obwohl die globale Automobilindustrie, das Geschäft mit Smartphones und die Rohstoffkonzerne Milliardengewinne erzielen, ist der Kongo, von wo 73 Prozent des hierfür hauptsächlich benötigten Kobalts herkommen, eines der ärmsten Länder der Welt. (NZZ, 9.7.2023)